NADJA LOPATTA

Zwei Tage an der Stage School

Ein normaler Tag sieht aus wie folgt: morgens völlig schlaftrunken etwas Müsli essen. Mit Muskelkater durch die Duschwanne schlittern. Kaffee holen – und in letzter Minute in die Bahn springen. In der Bahn vom Kurzsprint erholen und einmal kurz durchatmen.

Ab in die Schule. Treppen steigen – 3. Stock. Das Gesicht verzerrt, Muskelkater versuchen zu ignorieren. Geklapper auf den Fluren, überall sind Tänzer in Ballettschuhen, Steppschuhen jeden Jahrgangs.

Ich bahne mir den Weg Richtung Klassenraum „Schauspielunterricht“ oder „Sprechtechnik“? Welcher Tag war nochmal? Am Fitness-Studio vorbei, „Himmel, lass es nicht Donnerstag sein. Wie soll ich denn heute ne Stunde Fitness durchhalten mit dem Muskelka… – halt stop! Nicht dran denken! Wenn ich daran denke, ist es vielleicht gar nicht da! Ja, das ist wahres Schauspiel – wenn du anfängst dir solchen Quatsch wirklich zu glauben. Also ab in den Theatersaal, zwei Stunden Schauspieltraining.

Heute ist Montag – ich Trottel. Nach Schauspiel – Pause. Nicht zu viel essen, danach ist „Ballett“. Ich mag Ballett, obwohl es wahnsinnig anstrengend ist. An das Benehmen als Ballerina muss ich mich noch gewöhnen, aber es wird jeden Tag besser.

Danach „Einzelgesangstraining“. Runterkommen – mich auf meine Atmung konzentrieren. Gar nicht so leicht, mein Bauch ist hart wie ein Brett, aber die ganzen Tendus, Jetés, Fondues und Piqués der letzten eineinhalb Stunden hätte ich wohl kaum weglassen können. Nach ein paar Einsingübungen geht es und die Stimme ist da. „Gesangstechnik“ in der Gruppe danach. Noch mehr Atmen! Manchmal wird einem davon schlecht, aber heute ist nicht der Tag für solche Scherze.

Nach dem Unterricht – wieder nach Hause, weiter üben. Dehnen vor dem Fernseher, Sprechwerkzeuge trainieren, Bücher laut lesen. Ab ins Bett, morgen wird ein langer Tag.

Muskelkater! Nicht, dass ich das nicht erwartet hatte… Du gehst mit Muskelkater nach Hause und du fängst morgens damit wieder an zu trainieren. Wie herrlich! Heute in der Ersten Stunde „Sprechtechnik“. Aufwärmübungen, Atmen, Lautschrift lernen, Vorlesen. Zweite Stunde „Liedinterpretation“ – Die Klasse hört zu während ein Schüler seinen Song interpretiert. Korrekturen der Dozentin, nochmal das Ganze, danach ist der Nächste dran. Musik umgibt mich den ganzen Tag, ein Künstlerparadies und sooo schön. Nächste Stunde Repertoire. Hier wird an den Einzelgesangsliedern gefeilt, rhythmisch und charakteristisch.

Danach „Jazz“. Die Muskeln brennen schon beim dran denken. Mit vollem Eifer dabei. Beim dritten Aufwärmsong streiken die Oberschenkel und mein Jazz Trainer guckt mich mit dem Blick an: „Die Suppe hast du dir höchst selbst eingebrockt Nadja! Genau deswegen bist du doch hier, oder nicht? Und jetzt kneif den A* zusammen und mach weiter!“ Den Trainer kann man nur lieben und ihn verfluchen gleichzeitig. Nach eineinhalb Stunden ist die Luft im Tanzraum vollends aufgebraucht, die nächsten warten schon draußen und schauen durch die Scheibe. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Dieser Unterricht sollte eigentlich nie enden. Der alte Muskelkater ist inzwischen einem akuten Muskeltiger oder -löwen gewichen. 20 glückliche Studenten verlassen klitschnass den Jazz Raum. Herrlich, genau so muss es sein.

Noch zwei Stunden Chor, direkt im Anschluss. Wir singen „Seasons of Love“ und wollen damit nächste Woche auf die interne Präsentation in der Schule um uns zu beweisen. Noch diese zwei Stündchen Konzentration aufbringen, dann ist es geschafft. Ab nach Hause, essen und noch ein bisschen über „Steppen“ nachdenken. Das ist morgen früh gleich um 9.00 Uhr. Ein rundum gelungener Musicaltag!

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